Kleine Pflanzenkunde auf ghanaisch

Vergangenen Samstag ging es wieder zur Projekt. Es galt, den Fortschritt an Haus Nr. 3 zu begutachten und einen Blick auf die im letzten Beitrag erwähnten Maispflänzchen zu werfen. Im Gegensatz zu den vergangenen Monaten war der Weg zum Projektgelände bereits ein kleines Abenteuer. In den vergangenen Tagen hatte es vor allem nachts stark geregnet  und da wir uns immer morgens auf den Weg machten, konnten wir Wetten über die Pfützengröße abschließen. Mit einem Trotro – so werden hier die Kleinbusse genannt, die einen fast überall fahren können – ging es los, an der letzten Station hieß es aussteigen und die letzten 20 Minuten laufen. Schon während der Fahrt haben wir zweifelnd aus dem Fenster geschaut, wenn die Reifen des Gefährts fast komplett im Matschwasser versanken. Einige S
tellen wären zu Fuß nicht passierbar gewesen… es sei denn, Schuhe aus und ab in den Matsch.

Dank schwerer Baufahrzeuge – leider nicht für uns – haben wir jetzt sogar eine gut befahrbare Sandstraße zu unserem Gelände. Nur das letzte Stück ist wieder verwildert.  Auf dem Gelände angekommen sieht man statt wie in den vergangenen Wochen und Monaten keine Häuserdächer mehr.  Diese verstecken sich hinter einer immer höheren Graswand. Also heißt es ein wenig hügelaufwärts laufen und dann sieht man sie: Haus Nr. 1, Haus Nr. 2 und das zukünftige Haus Nr. 3. Letzteres hat noch kein Dach, keine Fenster- und Türrahmen, ist weder verputzt noch verkabelt… aber bei der Geschwindigkeit der Arbeiter ist das nur eine Frage von Tagen bzw. wenigen Wochen.

Haus Nr 3

Geht man nun also auf die Häuser zu, befindet sich rechts der zugewachsene Teil des Geländes. Auf der linken Seite hingegen stehen kleine Maispflänzchen, Cocoyam- und Cassavatriebe. Unsere Aufgaben für den Tag war klar: Unkraut vernichten. Das geschieht mit dreierlei Geräten: einer Giftspritze, einer Machete und von Hand. Von der Giftspritze habe ich mich ferngehalten und es den selbsternannten Profis überlassen, zwischen den Pflänzchen hin und her zu wandern und  sie mit Sprühnebel einzudecken, der allem, was nicht Mais, Cocoyam oder Cassava heißt, den Garaus macht.

Die Unkrautvernichtungsmischung

Da wir momentan nur zwei Macheten haben, mussten wir uns mit diesen abwechseln. Eigentlich ist eine Machete nichts anderes als eine etwas gefährlichere Unkrauthacke. Man kann damit u.a. auch Bäume fällen, Schlangen erlegen oder sie im Notfall als Waffe einsetzen. In unserem Fall sollte sie aber als Unkrauthacke dienen. Unkraut hacken? Das kann ich auch. Dachte ich. Nahm eine Machete und hackte drauf los. Um mich herum Gelächter und hin und wieder ein zu beobachtender Reflex von „Nehmt der Frau die Machete weg!“ also habe ich nach wenigen besiegten Unkräutern die Machete abgegeben und mich auf meine Hände verlassen.

Damit lässt sich das Unkraut genauso schnell rupfen, wie mit einer Machete zu hacken. Gesagt getan. Mit drei verschiedenen Methoden der Unkrautvernichtung waren wir schnell fertig.
Wichtig ist nur, dass man in dem Moment verschwindet, wenn der Giftspritzer kommt. Denn was Unkraut vernichtet, ist definitiv nicht für die menschlichen Atemwege geeignet.

Während ich so vor mich hinjätete. Erhielt ich einen Crashkurs in ghanaischer Pflanzenkunde und dem Gärtnerhandwerk. Wie bereits im letzten Bericht geschrieben, werden wir bald stolze Besitzer von Mais, Cocoyam und Cassava sein. Doch um es so weit kommen zu lassen, muss gesichert sein, dass keine der Pflanzen den Unkrautjätern – also mir – zum Opfer fällt. Mais erkenne ich noch ganz gut (zumindest wenn er nicht so klein wie Gras ist). Aber Cocoyam oder Cassava? Beides sind Wurzelknollen, die hier in Ghana als Grundnahrungsmittel gelten. Aus beiden lassen sich Fufu und andere landestypische Gerichte zubereiten. Die Blätter von Cocoyam werden u.a. für Suppen und Beilagen zum Fufu und Co bereitet. Da Cocoyam auch bei uns im Garten der Schule wächst, wo ich wochentags arbeite, kam er mir auch gleich bekannt vor. Ein Nachfragen bestätigte das. Nun also Cassavakeimlinge. Nana Yaw zeigte mir einen Stock der aus der Erde ragte: „Das ist eine Cassavakeimling!“ ??? Ein Stock. Einfach in die Erde gesteckt. Doch beim genaueren Hinsehen entdecke ich bereits die ersten kleinen Triebe am Stockende. Und ich dachte, man pflanzt eine alte Cassavaknolle und bekommt dafür viele neue. Wie bei der Kartoffel. Cocoyam oder auch der große Yam werden genauso gepflanzt. Nur die Cassavawurzel eben nicht.

Im Hintergrund: Mais, im Vordergurnd Cocoyam


Voilà: Cassavastöcken… in Zukunft eine hoffentlich reich tragende Cassavapflanze!

Übrigens: Nicht nur das Pflanzen der Cassava ist eine Kunst für sich. Auch beim weltweit so viel angebauten Mais kann bei der Aussaat einiges schiefgehen. Während der vergangenen Wochen haben LoszuGhana-Freiwillige bei Säen der Maiskörner geholfen. In jedes Saatloch sollten 4 Maiskörner gelegt und dann mit Erde bedeckt werden. Jetzt, wo die Maistriebe wachsen, zeig sich, dass in einigen Saatlöchern bis zu 8 Körner gelandet sind. Was soll’s, habe ich mir zunächst gedacht. Dann stehen doch die Chancen höher, dass der Mais was wird. Leider ist dem nicht so. Wenn zu viele Maispflanzen aus einem Saatloch wachsen, dann konkurrieren sie immer stärker um Licht und Mineralstoffe. Das heißt, dass die 8 Pflanzen nicht so groß und ertragreich werden, wie sie es nur zu viert geworden wären.

Für meine privaten und auch für die projektbezogenen Gärtneraktivitäten merke ich mir also: Weniger ist manchmal mehr.

In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen einen schönen Start in die neue Woche!